Sonntag, Dezember 03, 2006

Weihnachtsgeschichte zum ersten Advent

Stille Nacht, blutige Nacht

Ihre Hände waren blutverschmiert. Sie hielt das Messer in der Hand und sah zum Boden. Seltsam, dachte sie, es war gar nicht schwer gewesen.


Er war nach Hause gekommen, hatte seinen Mantel mal wieder achtlos in den Flur geworfen und war dann ins Wohnzimmer gegangen, um dort auf seinen Drink zu warten. Sie hatte ihm seinen Martini gemacht und stellte ihn auf den Tisch. Er hatte sich wieder aufgeregt über die Arbeit und die Kollegen. Doch wenn sie ihm etwas erzählte, hörte er nicht zu. Er ignorierte sie. Der Drink heiterte ihn etwas auf und er machte seine dummen Witze. Sie hasste das. Dann wollte er sein Essen haben. Sie ging in die Küche und holte den Braten heraus. Es war Heilig Abend. Der Weihnachtsbaum war geschmückt und die Kerzen brannten. Alles war schön dekoriert und strahlte Gemütlichkeit aus. Sie hatte ihm ein warmes Zuhause geschaffen. Doch er hatte daraus ein Gefängnis gemacht. Ihre Eltern wären gerne vorbeigekommen, aber das erlaubte er nicht. Er wollte seine Ruhe haben. Die würde er bekommen. Sie richtete den Tisch an und stellte das dampfende Essen hin. Alles war perfekt. Er setzte sich und meckerte rum, dass das so lange gedauert hat. Sie achtete nicht darauf. Er schlang das Essen herunter und sagte ihr nicht, das es gut schmeckte. Das tat er nie. Er aß nur. Reden durfte sie dabei auch nicht. Das störte ihn. Sie schwieg. Denn sie wusste, was passierte, wenn sie ungehorsam war. Also saßen sie sich schweigend gegenüber und aßen. Sie trank keinen Wein. Sagte ihm, sie hätte leichte Kopfschmerzen und vertrage das nicht. Er lachte und meinte, sie solle in der Nacht bloß nicht mit Kopfschmerzen kommen. Er hätte noch was vor. Sie lächelte verlegen.
Er trank seinen Wein und aß den Braten. Dann war er zufrieden und ließ sich aufs Sofa fallen. Er schaltete den Fernseher an und es dauerte nicht lange, bis er eingeschlafen war. Das Schlafmittel im Wein hatte gewirkt. Er war schwer, doch sie musste ihn in die Küche bekommen. Dort hatte sie Plastikplanen ausgelegt. Plötzlich klingelte es an der Haustür. Sie öffnete sie. Eine Nachbarin stand vor ihr und brachte ihr einen Kuchen.
„Das ist lieb, danke. Ich werde das bald wieder gut machen“, meinte sie und schloss die Tür.
Dann stellte sie den Kuchen auf den Esstisch und widmete sich wieder ihrem Mann. Es war ein schönes Stück Arbeit ihn in die Küche zu schleppen. Doch es gelang ihr schließlich. Sie hatte trainiert. Sie nahm das große Küchenmesser und begann mit der wirklichen Arbeit. Sie war gut im Auseinandernehmen von Geflügel und anderen Fleisch. Er war nichts anderes als ein großer Truthahn. Es dauerte allerdings Stunden um ihn zu zerlegen.

Schließlich hatte sie drei Mülltüten voll Fleisch und Knochen. Dann sagte eine Stimme hinter ihr:“Mein Gott, was hast du getan?“
In der Küchentür stand ihr Vater und betrachtete die Tüten und das Blut.
„Du hättest mich früher anrufen sollen. Die Planen müssen verschwinden“, meinte er.
Zusammen schafften sie alles raus in seinen Truck. Dann fuhren sie zu der Schweinefarm eines Freundes von ihrem Vater und brachten die Tüten in den Stall.
„Die Schweine werden sich über das gute Futter sicherlich freuen“, erklärte ihr Vater.
„Ja, endlich ist er mal zu etwas gut“, erwiderte sie. Die Schweine waren sehr gründlich.
Dann fuhren sie zurück in ihre Wohnung räumten die Teller weg und den Rest. Ihre Mutter kam dazu und brachte neues Essen mit. Sie setzten sich zusammen an den festlich gedeckten Tisch, bewunderten den Weihnachtsbaum und feierten ein besinnliches Weihnachtsfest.


ENDE


Kommentare:

The Cartoonist hat gesagt…

Das erinnert mich doch an...

http://www.rillig.de/humor/humor15.htm

Anissa hat gesagt…

Genau. Loriot ist klasse.

The Cartoonist hat gesagt…

Ich sach nur "Schwanzhund". Alice und Edith beim Scrabble spielen in Dorsten ...

Doris hat gesagt…

Hat mich am anfang an "Lamb to the Slaughter" von Roald Dahl erinnert.