Dienstag, Oktober 09, 2007

Platz. Der Saal füllte sich schnell und die Erwartungen wurden auf eine harte Probe gestellt, denn die „übliche Verzögerung" blieb nicht aus.

Rudi Prexler mit seinem Ultralichtscheinwerfer zauberte als erster eine gespenstische Szene auf die Bühne. In völliger Dunkelheit schienen die beiden Raumfahrer im Nichts zu schweben. Dann folgte die Modeschau der galaktischen Intelligenzen: Jesco von Puttkamer als „Phantom", Mahrlein als Raumadmiral, Ernsting als „Sumpfmurmler vom Sagittarius", Thomas Mielke als „Friedensengel", um nur einige zu nennen. Sie hatten sich alle sehr viel Mühe gegeben — und das Fernsehen und die Wochenschau kamen auf ihre Kosten. Auch die Zuschauer. Großartig die Doppelansage von Heinz Fries und Franz Ettl, die als Jim Parker und ewig betrunkener Wernicke die Schau leiteten. Dann zog die Musikkapelle ein — Raumfahrer in weißer Uniform mit der Bezeichnung: TERRA. Was sie spielten war nicht elektronisch oder weltraumkalt, sondern verdammt heiß.

Die Planetenringsendung war eine Wucht! Ein außergalaktisches Ueberwachungsschiff erhält Kurznachrichten von den einzelnen Planeten unseres Systems. Dabei flammt der große Bildschirm ständig auf und zeigt typische Landschaften der betreffenden Welten. Die in harter Arbeit gebaute Kulisse des Raumschiffes wirkte so echt, daß man für fünf Minuten vergaß, auf der Erde zu sein. Die von Kumming und Reinecke gesteuerte elektronische Musik erhöhte den Eindruck des echten Raumfluges. Eine großartige Leistung aller Beteiligten!

Die Weltraummodenschau führte etwa 20 „galaktische Intellegenzen" vor. Auf diesem Bild die zwei wohl charmanteren Vertreterinnen: das „Dschungelmädchen von der Venus" und die „Tempelpriesterin von P IIa' Wer möchte da nicht auf diesem Planeten leben?!
Foto: M. Ruprecht.


Nach dem Atomkrieg! Auch den „Neantertaler des Jahres . . .
(Keine düstren Prophezeiungen!) zeigte die Weltraummodenschau.
Foto: M. Ruprecht.

Herrlich auch der Sketsch DIE WOLGASCHIFFER im Jahre 1900 und 19000. Und so vieles andere. Doch ein weiterer Höhepunkt: Heinz Fries sang die „Carmen" a la Spike Jones.

Ehrlich: man lachte Tränen und einige harmlose Besucher fielen von ihren Stühlen. Dazwischen Tanz und Rhythmus!

Alles in allem: ein gelungener Abend — trotz der vielen Sorgen, die mancher vorher gehabt hatte. Und schon zwei Tage später strahlte das Deutsche Fernsehen in der Tagesschau aus: ...... ist es schon so weit? Sind die Marsmenschen in Unterwössen/Obb. gelandet? Nein, es sind die Mitglieder des Science Fiction Club Europa, die ihren Urlaubscon . . ."

In dieser Nacht wurde noch lange diskutiert, und man war allgemein der Auffassung, daß noch vor einem Jahr ein solcher Erfolg vollkommen unmöglich gewesen wäre. Eine Bestätigung dafür, daß wir uns auf dem richtigen Weg befinden — von dem uns auch keiner abbringen kann. REFME.
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Grußtelegramme zum URCON des SFCE sandten: SFCE-Gruppe Dänemark, Kopenhagen; Julian Parr, Düsseldorf; Dörnersche Verlagsgesellschaft, Düsseldorf; Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin/DDR; Semrau-Verlag, Hamburg; SFCE-Gruppe Hamburg, Klaus Sorgenfrei.

Im Namen des SFCE dankt für die herzlichen Grüße
Die Geschäftsführung


Und hier endet unser kurzer Ausflug in die Zukunft des Jahres 1958. Ich hoffe dieser Bericht hat euch gefallen, zeigt er doch, das man in den Anfängen des Fandoms doch schon richtig die "Weltraum-Sau" rausgelassen hat. Na ja, so ein wenig jedenfalls!
Der Bericht stammt aus "BLICK IN DIE ZUKUNFT" von Sep./Okt. 1958
Ad astra Marc

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