Dienstag, Juni 30, 2009

Wunder der Schöpfung


Tief aus der Stummfilm-Mottenkiste habe ich jetzt diesen Film mir mal bestellt. Mal schauen auf was die SF-Großväter so früher im Kino geschaut haben.

Wunder der Schöpfung stellt die größte Leistung innerhalb der Kulturfilme der 20er Jahre dar. Hanns Walter Kornblum war damals schon so etwas wie ein Veteran des Genres: 1922 hatte Colonna-Film seinen verlorenen Kulturfilm über Einsteins Relativitätstheorie produziert. Die Zusammenarbeit mit dem Marktführer Ufa ermöglichte es Kornblum nun, die Hauptthemen dieses Films mit größeren Mitteln weiterzuentwickeln. Die Handlung des Films, der weder Starrollen noch Protagonisten aufweist, besteht aus sorgfältig strukturierten und geschickt dargestellten Einzelszenen ein kunstvolles Mosaik kleiner Vignetten, die eigenverantwortlich von vier verschiedenen Regisseuren gedreht wurden. Nicht weniger als vier renommierte Universitätsprofessoren sorgten dafür, daß der wissenschaftliche und historische Rahmen der dargestellten Ereignisse abgesichert war. Das Symbol des Films für Fortschritt und für den Beginn einer neuen wissenschaftlichen Ära ist ein Raumschiff, das die Milchstraße durchquert und uns unterwegs mit sämtlichen Planeten und ihren jeweiligen Besonderheiten vertraut macht. Die pädagogischen Bestrebungen des Films verlieren sich jedoch im weiteren Verlauf zugunsten einer fast humorvollen Haltung: Der Weltuntergang wird als eine neue, unwiderlegbare wissenschaftliche Gewißheit dargestellt und beschert uns detailfreudige apokalyptische Szenen vom Ende der Menschheit. Uns heutigen Zuschauern demonstriert dieser verblüffende Film auf anschauliche Weise, wie man sich in den 20er Jahren das Universum vorgestellt und wie man diese Vorstellung einem zeitgenössischen Publikum vermittelt hat.

Nähere Infos, Trailer und die Möglichkeit zum Bestellen findet ihr auf der Seite von Edition Filmmuseum.

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