Freitag, Juli 23, 2010

Generation Praktikum, Generation 1000,- Euro oder Generation Warteschleife?

Ich schaue gerade auf ARTE die Doku "Die Generation 1000,- Euro". Das handelt eigentlich von den Zuständen in Italien, aber man kann es 1:1 auch auf Deutschland übertragen. Junge Akademiker und gut ausgebildete Facharbeiter suchen ihren Platz im Leben und hangeln sich von einem Zeitvertrag oder Praktikum zum nächsten.
Man landet entweder als Zeitarbeiter mit wechselnden Anstellungen in einem Job oder als unterbezahlter Agent in einem Callcenter.
Unsere Generation kann nicht langfristig in die Zukunft planen, weil wir nicht wissen, was morgen sein wird. Eine ganze Generation hängt in der Warteschleife.
Entweder wird das von außen bestimmt oder ist "selbstverschuldet". Ich glaube, die Generation, die so um 1980 geboren wurde, zu der ich auch gehöre, sucht sich selbst. Wir leiden unter einem Verlust der Identität, wissen nicht, zu welcher Generation wir eigentlich gehören. Wir sind nichts, nicht politisch wie die 1968er, keine Hippies wie in den 1970ern und keine Juppies der 1980er oder Punks mit "No future". Wir studieren und sind gut ausgebildet und wissen doch nicht, wohin wir gehen sollen. Wir wurden dazu erzogen glücklich zu sein und unseren eigenen Weg zu gehen. Wir wurden zu nix gezwungen, aber was tut man mit so viel Auswahl?
Hinterlassen wir Spuren in der Geschichte?

Kommentare:

Blackfear hat gesagt…

Das trift es ziemlich gut. Wir sine eine Generation von Möchtegern-Individualisten, die immer mit dem Strom schwimmen. Ein Plan für die Zukunft existiert nicht. Der Moment zählt.

ThK hat gesagt…

Öhm, es gibt rein gar nix dagegen einzuwenden, Individualist zu sein. Ganz im Gegenteil - ich persönlich bestehe darauf.
Hippies oder Punks hatten kannten ihre Identität in den meisten Fällen auch nicht, sie wußten nur, mir welcher Frisur man gut bei den Mädels der entsprechen Ära - oder natürlich umgekehrt - ankam.
Nein, der Mißstand den du beschreibst ist in keinster Weise selbstverschuldet sondern einzig und allein von der Wirtschaft erzwungen. Für die Damen und Herren da oben gibt es doch nichts schöneres als billige Zeitarbeiter oder noch besser gratis Praktikanten. Mit Identitätsverlust hat das überhaut nix zu tun, nur mit der Verantwortungslosigkeit in den oberen Etagen...

Anissa hat gesagt…

Ich glaube, es ist eine Mischung aus allen. Die Wirtschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht zu viele Leute wie möglich auszubeuten. Und Berufseinsteiger sind besonders gut geeignet. Erst heißt es, man braucht Praxiserfahrung und dann wieder der Bewerber hat zu viele Praktika gemacht. Und selbstständig denkende Mitarbeiter sind eh unerwünscht.
Aber was ich aus meinem eigenen Bekanntenkreis kenne, ist auch die Planlosigkeit. Es wird ausprobiert und experimentiert. Und da zähle ich mich ohne weiteres zu. Viele von meinen Mitstudenten, die nun fertig geworden sind,wissen nach 10 Jahren Studium oft immer noch nicht, was sie damit wollen. Das muss nicht immer schlimm sein, denn man kann so auch flexibel sein und bleiben, aber man kann es nicht ewig hinauszögern.
Was ich persönlich an so manchen Generationen kritisiere, ist ihre Politikmüdigkeit. Während ich auf so manchen Demos war, heißt es von anderen immer: "Da kann man doch eh nichts gegen tun."
Das ärgert mich öfters mal.